Montag, 9. Dezember 2013

9. Dezember

Ein Erfahrungsbericht: 


Reiten – Ein gefährlicher Zeitvertreib

Nun, schön und gut. Viele Menschen haben es sich zur Aufgabe gemacht dem Reitsport beizuwohnen und eben diesen in den Medien zu verfolgen. Wenn Mensch nur letzteres tut ist die Gefahr für Verletzung und Krankheit sehr gering, um genau zu sein gleich null. Steigt man aber selbst auf ein Pferd und versucht dieses unter Kontrolle zu halten sieht es bald gar nicht mehr so lustig aus wie im Fernsehen. Man muss kämpfen, man kämpft mit dem Tier und letztendlich gewinnt der stärkere Willen. Gut, Anfänger setzt man natürlich nicht sofort auf ein Pferd mit Macken und schlechten Angewohnheiten so dass dem Reiter einiges abverlangt wird, nein Anfänger setzt man auf das gutmütigste und gemütlichste Pferd, dass nebenbei meist auch das langsamste und älteste ist. Hat es der Anfänger nun geschafft erfolgreich oben zu bleiben kommen immer mehr Anforderungen auf ihn zu. Parade, halbe Parade, Schenkelweichen, Innengalopp, Außengalopp, Kreuzgalopp… Bald schon folgt der erste Sturz. Manch einer wird sich wundern und sich fragen wieso nur das Pferd einen loswerden wollte und wird gar nicht daran denken dass der Sturz höchst wahrscheinlich aus selbst Verschuldung zu Stande kam. Ein mancher gibt als dann die Reiterei auf, die hartnäckigeren bleiben. So sortiert sich die Gruppe der Reiter immer weiter aus.

Eine Reiterweisheit besagt: „Ein Reiter ist erst ein guter Reiter nach dem er fünfmal vom Ross gefallen ist“ Ich würde sagen ich bestätige diese Weisheit da ich meinen fünften Sturz erst vor wenigen Tage hinter mich gebracht habe. Zugegeben war es nicht das fünfte sondern das siebte mal dass ich unfreiwillig den Pferderücken verlassen habe aber „Stürze“ bei denen man schlicht weg einfach seitlich mit dem Sattel vom Pferderücken rutscht zählen nicht. Nun, mein bisher letzter und fünfter Sturz war weniger schön und endet mit einem feinen Krankenhausaufenthalt. Manch einer der wenigen Leser wird sich nun fragen wie um alles in der Welt ein Hobbyreiter so stürzen kann dass er im Krankenhaus landet. Ich möchte diese Frage beantworten. Es ist ganz einfach. Ein Salto mit Flugnote 1,0 und eine Landung mit einer Note die auf keine Skala mehr passt weil sie einfach zu schlecht war.


Ich ritt also in der Abteilung, eine reine Gruppe aus Schulpferden, als das Pferd das zwei Stellen vor mir war im Trab plötzlich aus der Abteilung ausscherte. Kurz gab es ein Chaos und mein Liebling, ein sehr junger Wallach der kaum Manieren hat und sehr schreckhaft ist, erschrak und zog Richtung Mitte der Halle. Ich hielt gegen, setzte alle Hilfen ein und zerrte letztendlich verzweifelt am äußeren Zügel um ihn wieder an seinen Platz an letzter Stelle der Abteilung zu bekommen. Vergebens. Ich hinderte ihn zwar daran panisch in die Hallenmitte zu rennen konnte ihn aber nicht mehr an seinen Platz bringen. Alle Zügelhilfen, alles schwer Einsitzen war nutzlos und ich brachte ihn nicht zum Stehen. Er hat einfach seinen eigenen Dickkopf! Ich versuchte es bis zur letzten Sekunde ihn an seinen Platz zu bringen doch er scherte in die Abteilung ein, eine Stelle weiter vorne… Die Wirkung war verheerend. Das Ponny vor mir schlug aus und der Wallach nach mir biss meinen Rudi kräftig in den Hintern. Der Huf der ihm an die Flanke donnerte gab den Ausschlag und er sprang mit einem Satz buckelnd aus der Reihe, ab zur Hallenmitte. Die schönsten Bocksprünge vollführte er und ich hatte die Kontrolle verloren. Ich hing mit meinem rechten Fuß im Steigbügel fest, was ein abspringen unmöglich machte. Einen Augenblick beruhigte Rudi sich aber der Schein trug. Sofort begann das „Rodeo“ von vorn und ich versuchte mich mit den Armen an seinen Hals zu klammern. Den Sattel hatte ich schon aufgegeben da ich nun auch den zweiten Steigbügel verlor. Ohne Halt, die Zügel fallen gelassen und nur mit dem verzweifelten Versuch beschäftigt nicht zu fallen flog ich. Ich flog mit Salto über seinen Hals und seinen Kopf hinweg und kugelte laut den anderen Anwesenden gute fünf Meter durch die Halle ehe ich auf den Knien zur ruhe kam. Ich kniete nun dort im Sand, spürte nur einen stechenden Schmerz der sich über die ganze Wirbelsäule erstreckte. Ich bekam keine Luft mehr. Ich rang panisch um Atem aber meine Lungen wollten sich einfach nicht mit der Lebensnotwendigen Luft füllen. Mit zitternden Händen versuchte ich meine Sicherheitsweste auszuziehen in der Hoffnung dann atmen zu können doch ich wurde enttäuscht. Keuchend rang ich um Atem bis meine Reitlehrerin, Gott segne diese Frau sie hat mir vermutlich das Leben gerettet sonst wäre ich in meiner Panik erstickt, mir schützend den Arm um die Schultern legte und mich beruhigte. Langsam bekam ich wieder Luft. Ich hatte nicht einmal Tränen um zu Weinen. Ein paar panische Schluchzer und vereinzelte Tränen, mehr aber nicht. Nach dem ich wieder zu Atem gekommen war versuchte ich auf zu stehen. Der zeitweise vergessene Schmerz durzuckte mich wie ein Stromschlag. Letztendlich schaffte ich es irgendwie auf die Füße zu kommen, hob meine Sachen auf und ging erschrocken nüchtern und meiner Handlung bewusst aus der Halle wo die Pferdewirtin auf mich wartete. Kurz setzte ich mich auf das Sofa bevor wir weiter in den Speisesaal gingen. Ich wollte durch die Stiefelkammer, wollte meine Stiefeletten und die vollkommen eingesudelte Hose ausziehen um nicht den Flur und das Treppenhaus zu beschmutzen. Ich fürchtete die übliche Strafe zu bekommen wenn ich mit Stallschuhen durch das Treppenhaus ging. Mit sanfter Gewalt zwang sie mich dann doch in den Speisesaal zu gehen und dort Platz zu nehmen. Sie verabreichte mir Notfalltropfen und Arnica bevor die Haushälterin mich auf mein Zimmer führte. Immer noch im Schockzustand zog ich meine Stiefeletten und meine Hose aus, ignorierte den Schmerz und streifte auch mein T-Shirt ab bevor sie mich dann in mein Bett verfrachtete, mir befahl mich auf den Bauch zu legen und großzügig eine Art Kräuterschnaps auf meinem Rücken verteilte. Sie ging und ich lag ab dann in Schlafanzughose und BH da. Ich wagte es nicht mich zu rühren da der Schmerz langsam in mein Bewusstsein drang und mir jede noch so kleine Bewegung verbot.

2012

Leider mein Erlebnis aber hier nur aufgeschrieben bis zu dem Zeitpunkt wo ich im Krankenhaus gelandet bin.
Liebe Grüße, Meli

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